Referendariat

Diplom-Ingenieurinnen und Ingenieure - Vermessungswesen, die an einer Technischen Universität oder Hochschule studiert haben, können sich im höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst ausbilden lassen. Die Beamtenausbildung nach dem Studium ist auch Zulassungsvoraussetzung für Öffentlich bestellte Vermessungsingenieurinnen und -ingenieure (ÖbVI).

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Referendare

Vermessungsreferendare sind Diplom-Ingenieure der Fachrichtung Vermessungswesen, die sich in der Ausbildung zum Vermessungsassessor befinden. Ziel des Vorbereitungsdienstes ist die Ausbildung von Nachwuchskräfte für den höheren technischen Verwaltungsdienst. Darüber hinaus bietet die Ausbildung wesentlich mehr:

  • Sie erwerben ein erweitertes Wissen, auch über die Randgebiete der Geodäsie hinaus.
  • Sie lernen die Stellen kennen, mit denen viele Firmen zusammenarbeiten, und dadurch bekommen Sie die Kontakte, die nicht nur Ihnen hilfreich sind.
  • Sie erkennen die Strukturen und Abläufe in den Verwaltungen, die für Sie unschätzbare Orientierungshilfe für Ihre spätere Zukunft sein wird.
  • Sie werden zu Führungspersönlichkeiten ausgebildet.
  • Sie erreichen eine hohe Qualifikation und einen höheren Marktwert beim Einstieg ins Berufsleben.
  • Desweiteren ist das Referendariat Voraussetzung für die Zulassung als ÖbVI .

Der Vorbereitungsdienst (Referendariat) dauert 2 Jahre und gliedert sich in 6 Abschnitte. Während der Ausbildung befinden sich die Referendare im Beamtenverhältnis auf Widerruf und unterliegen somit sämtlichen beamtenrechtlichen Vorschriften. Urlaub steht im vereinbarten Rahmen zu (z.Z. 26 bzw. 29 Tage in Abhängigkeit vom Alter).

Abschnitt Ausbildungsstelle

Dauer in Wochen
(Ausbildung + Urlaub)

I Amt für Bodenmanagement (Katasterbehörde)
(einschl. 1 Woche Geschäftsstelle des Gutachterausschusses)
16 + 1
II Amt für Bodenmanagement (Flurbereinigungsbehörde) 9 + 3
II Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (obere Flurbereinigungsbehörde) 4 + 0
III Kommunalverwaltung 12 + 2
III Regierungspräsidium 2 + 0
IV Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (Landesvermessung / Kartographie / Geoinformationswesen) 11 + 0
V Vertiefungszeit in I, II, III oder IV 12 + 2
VI 6 Wochen häusliche Prüfungsarbeit 6 + 0
VI Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (obere Kataster- und Landesvermessungsbehörde) 9 + 1
Seminare und Lehrgänge 14 + 0
Gesamt: 104

Seminare und Lehrgänge:

Veranstaltung Dauer in Wochen
Einführungslehrgang * 1
Seminar "Katastererneuerung" 1
Allgemeines Verwaltungsseminar * 3
Fachbezogenes Verwaltungsseminar * 5
"Führung und Kommunikation" ** 1
Managementseminar ** 2
Seminar  EU-Seminar ** 1
Gesamt: 14


* gemeinsam mit Vermessungsreferendaren der Länder RLP, Thüringen und Saarland
** gemeinsam mit hessischen Referendaren anderer technischer Fachrichtungen

A B S C H N I T T I : Liegenschaftskataster
Auf jeweils einem der 7 Ämter für Bodenmanagement in Hessen wird dieser Abschnitt durchlaufen. Folgende Themen werden u.a. behandelt

  • Entstehung und Entwicklung des Katasters,
  • Allgemeine Grundlagen, Liegenschaftsrecht,
  • Einrichtung des Katasters,
  • Geschäftsführung,
  • ingenieurtechnische Arbeiten,
  • Vermessungstechnische Fortführung des Katasters,
  • Fortführung des Liegenschaftsbuches,
  • Erneuerung des Katasterzahlen- und Katasterkartenwerkes,
  • Grundbuchamt (i.d.R. 1 Woche),
  • Geschäftsstelle des Gutachterausschusses.

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A B S C H N I T T II : Ländliche Neuordnung
Vier Wochen der Ausbildung werden bei der oberen Flurbereinigungsbehörde absolviert. Themen, die in diesem Abschnitt vermittelt werden, sind:

  • Aufbau der Flurbereinigungsbehörden und anderer landwirtschaftlichen Organisationen,
  • Geschichtliche Entwicklung der Landeskultur und der Flurbereinigungsbehörde,
  • Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz,
  • Verwaltungsmäßige Bearbeitung / Technische Durchführung der Flurbereinigung,
  • Einzelbetriebliche Förderung und ländliche Siedlung,
  • Zusammenhang der Flurbereinigung mit Bestimmungen des BauGB, des Grundstücksverkehrs und des Nachbarrechts,
  • Flurbereinigung und Naturschutz,
  • Flurbereinigung und Fremdplanungen,
  • Dorferneuerung,
  • Kosten und Wirkung der Flurbereinigung.

A B S C H N I T T III: Landesplanung und Städtebau

Die Inhalte dieses Abschnittes werden hauptsächlich bei den Stadtvermessungsämtern vermittelt. Zusätzlich werden auch einige andere Ämter der Kommunalverwaltung besucht, z.B. Stadtplanungsamt, Bauaufsichtsamt, Liegenschaftsamt, Denkmalschutzamt, Tiefbauamt, etc.. Am Ende des III. Abschnittes folgt ein 2-wöchiger Aufenthalt beim Regierungspräsidium. Dieser Abschnitt umfasst folgende Inhalte:

  • Zuständigkeit und Organisation der einzelnen Ämter,
  • Aufgaben der Ämter,
  • Grundstückswertermittlung,
  • Bodenordnung (Umlegung, vereinfachte Umlegung),
  • Bauleitplanung (FNP, BPlan, Sicherung),
  • Erschließung,
  • Sanierungsverfahren und städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen,
  • Raumordnung und Landesplanung.

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A B S C H N I T T IV: Landvermessung und Kartographie

Dieser Abschnitt findet bei dem hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (HLBG) statt. Einen Überblick über die Inhalte gibt folgende Auflistung:

  • Aufbau und Erhaltung des Lage, Höhen- und Schwerefestfeldes,
  • Topographie,
  • Photogrammetrie,
  • Kartographie,
  • Reproduktionstechniken

A B S C H N I T T V: Vertiefung

Die Vertiefung erfolgt wahlweise in einem der oben genannten Ausbildungsabschnitte. Die Ausbildungsstelle ist ein entsprechendes Amt. Es können jedoch zusätzlich

  • private Büros,
  • BKG (ehemals IfAG),
  • Deutsche Bahn AG,
  • Wasser- und Schifffahrtsverwaltung,
  • Banken
    oder andere Stellen in die Ausbildung mit einbezogen werden.

A B S C H N I T T VI: Staatliche Mittelbehörde, häusliche Prüfungsarbeit

 Dieser Abschnitt wird im HLBG absolviert. Themen dieses Abschnittes sind:

  • Allgemeine Landesverwaltung,
  • Aufsicht über die Ämter für Bodenmanagement und ÖbVI,
  • Beschwerde- und Widerspruchsverfahren,
  • Verwaltungsrecht,
  • Recht der Angehörigen des öffentlichen Dienstes,
  • Haushalts- und Rechnungswesen.

Zu diesem Abschnitt gehört eine 6-wöchige häusliche Prüfungsarbeit aus einem der ersten vier Abschnitte.

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L E H R G Ä N G E U N D S E M I N A R E
In Lehrgängen und Seminaren werden Ausbildungsinhalte vertieft und ergänzt. Im Einführungslehrgang werden

  • grundsätzliche Fragen zum Referendariat beantwortet,
  • Organisatorisches zum Referendariat abgeklärt,
  • verschiedene Fachrichtungen der Landesämter dargestellt,
  • der freie Vermessungsberuf als ÖbVI vorgestellt,
  • der DVW und LDV präsentiert
    und vieles mehr angesprochen.

In weiteren Lehrgängen und Seminaren werden u.a. folgende Themen behandelt:

  • Staatsrecht (Begriff, Form, EU-Recht, Schutz der Verfassung, etc.)
  • Verwaltungsrecht (Organisationsgrundsätze, Gliederung der Verwaltung, Rechtsaufssicht, Dienstaufsicht, Fachaufsicht, Widerspruchsverfahrensrecht, Verwaltungsstreitverfahren, Kommunalrecht, Verwaltungsakte, Verwaltungszwang, etc.)
  • Öffentliches Recht (Strafrecht, Strafverfahrensrecht, Zivilprozeßrecht, Gesellschaftsrecht, etc.)
  • Privatrecht (Grundzüge des Bürgerlichen Rechts)
  • Arbeitsrecht
  • Bedienstetenrecht (Rechtsverhältnisse der Angehörigen des öffentlichen Dienstes, Sozialversicherung, Sozialgerichtsbarkeit, etc.)
  • Personalvertretungsrecht
  • Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen
  • Liegenschaftskataster (Rechtsgrundlagen, Verwaltungsakte, Gebührenrecht, Verbindung zu Grundbuch, Datenverarbeitung, Berufsrecht-ÖbVI, etc.)
  • Landesvermessung (Rechtsgrundlagen, Urheberrecht von Produkten, topographische Landesaufnahme, Landeskartographie, Grundlagenvermessung, Netzausgleichung, etc.)
  • Ländliche Neuordnung (Verwaltungsorganisation, Bodenordnung nach FlurBG, Verwaltungsakte, Dorfentwicklung und -erneuerung, etc.)
  • Landesplanung und Städtebau (Raumordnung, Bauleitplanung, Widerspruchsverfahren, Grundstückswertermittlung, Bauordnungswesen, etc.)
  • Sondergebiete (Nachbarrecht, Straßenrecht, Enteignungsrecht, Wasserrecht)
  • die Organisation für die Datenverarbeitung im Vermessungswesen
  • die Automation des Katasterzahlenwerkes
  • die Automation des Katasterbuchwerkes
  • der Datenschutz
  • die Hardware-Ausstattung bei den Ämtern für Bodenmanagement
  • die graphische Datenverarbeitung
  • Katastererneuerung (Organisation, Konzeption, Methoden, Probleme)
  • Trigonometrische Netze in Hessen (LST 120, LST110, Erneuerung des TP-Feldes im LST 100)
  • Aufbau der digitalen Karte in Hessen
  • Auswertungen von Messungen mit TAFT
  • Netzgrundlagen der Katastervermessungen in Hessen (Ältere Landestriangulationen und frühere Katastersysteme, Moderne Entwicklungen in der EU, ETRS 89 und UTM-Abbildungen)
  • Aufbau von AP-Feldern
  • Kartenherstellung, Kartenerneuerung
  • Digitalisierungsverfahren mit DAVID zur Erstellung der ALK, Führung der ALK auf dem GIAP, weitere Entwicklungen
  • Erneuerung des Liegenschaftskatasters durch Flurbereinigung und Bodenschätzung
  • Neuvermessung von Ortslagen in Flurbereinigungsverfahren
  • Einsatz der GPS-Technik

Weitere Hinweise finden Sie auch auf den Seiten der LDV Mitte-West. Dieser ist Teil des Bundesverbandes der Diplomingenieure für Vermessungswesen (BDV e.V.).

Weitere Hinweise zum Berufsbild, zur Berufsausbildung und zum Studium finden Sie im Internet auf der Seite des Arbeitsamtes unter "Berufskundliche Kurz-Beschreibung (BKB)".

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