Aus der Praxis - für die Praxis

Wie setzen Kommunen und Kreisverwaltungen Geodaten – also raumbezogene Daten – ein? Welche kommunalen Fragestellungen können mithilfe einer softwarebasierten Auswertung von Liegenschaftsdaten beantwortet werden? Diese und andere Fragen wurden beim diesjährigen GeoForum des Amtes für Bodenmanagement (AfB) Marburg beantwortet, zu dem Stefanie Flecke, Leiterin des AfB Marburg, eingeladen hat. Der Einladung sind rund 40 Vertreter – Bürgermeister, Bauamtsleiter und Sachbearbeiter- aus mehr als 25 Kommunen und Behörden gefolgt.

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GeoForum 2017  AfB Marburg

„Wir möchten Sie über Entstehung, Einsatz, Nutzen und Wissenswertes über Geodaten informieren, gleichzeitig ist es mir ein großes Anliegen, Ihnen eine Plattform zu bieten, für den Austausch über kommunale Grenzen hinweg. Ich freue mich daher, dass Sie heute Experten erleben, die Ihnen Möglichkeiten aus den unterschiedlichsten Einsatzgebieten vorstellen“, eröffnete Amtsleiterin Stefanie Flecke das GeoForum 2017 am 7.November im Amt für Bodenmanagement Marburg.

Wer darf wo jagen? Welche Gewässer sind verrohrt und wo gibt es gefährdete Gebäude im Hochwassergebiet? Wo befinden sich Wasserschutzgebiete, private Brunnen, Zisternen, Hochbehälter, Kläranlagen? All‘ diese Fragen und noch viele mehr lassen sich in der Kommune Eschenberg mit Hilfe eines so genannten Geographischen Informationssystems – kurz GIS – beantworten. Zu verdanken ist das Thomas Treupel und Hans-Theo Klein. Beide arbeiten in Eschenburgs Bauabteilung und haben zusammen mit ihren KollegenInnen aus allen Fachabteilungen kommunale Daten digital erfasst und mit amtlichen Geobasisdaten des AfB kombiniert.

Seit dem Jahr 2008 ist das GIS der Kommune stetig gewachsen. Mittlerweile wird sogar der Friedhof GIS gestützt verwaltet. Die MitarbeiterInnen der Kommune Eschenburg können vielfältige Bürgeranfragen bereits am Telefon mithilfe des GIS beantworten Benötigt beispielsweise ein Eigentümer Informationen zu Bauvorlagen des eigenen Grundstücks, reichen wenige Klicks, um umfassende Informationen auf dem Bildschirm am Schreibtisch zu erhalten. Inzwischen sind 11.000 Baugenehmigungen erfasst und aufwändiges Suchen im Archiv gehört weitgehend der Vergangenheit an. „Der hohe Aufwand zu Beginn trägt nun ‚Früchte‘. Wir sparen nun enorm viel Zeit ein“, kommentierte Eschenburgs Bürgermeister Götz Konrad den Vortrag seiner Fachleute Klein und Treupel.

Auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat ein GIS-System innerhalb der Kreisverwaltung als Auskunfts- und Analysesystem aufgebaut und implementiert. 150 Mitarbeiter der Verwaltung nutzen dieses interne GIS bereits. Außerdem ist ein so genanntes Bürger-GIS aufgebaut worden, das von kommunaler Seite über das Internet für die BürgerInnen im nächsten Jahr bereitgestellt wird. Es ermöglicht schnelle Informationen zu verschiedenen Themen, z.B. Schulstandorte, Kitas, Pflegeeinrichtungen, usw.
Zudem befindet eine gemeinsame Geodateninfrastruktur (GDI) im Rahmen einer so genannten Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) zwischen Landkreis und 21 Kommunen des Kreises im Aufbau. Der daraus entstandene Arbeitskreis hat unter anderem die Aufbereitung der Bauleitpläne sowie den Aufbau und Betrieb eines kommunalen Geoservers zum Ziel. „Denn digitale, vernetzte Geodaten stärken nicht nur die Verwaltung, sondern machen auch die Regionen wettbewerbsfähig“, begründet Günter Vaupel, Projektleiter GIS in der Kreisverwaltung, die Kooperation in seinen Ausführungen.

Als großräumigstes Beispiel aus der Praxis ist eine softwarebasierte Siedlungsstrukturanalyse aus amtlichen Geobasisdaten thematisiert worden. Gebäudebasierte Informationen können laut Tobias Neumetzger beispielsweise von Regionalverbänden, Landkreisen und Kommunen bei der Stadt-, Raum- und Infrastrukturplanung sowie dem Klimaschutz eingesetzt werden. Basisdaten für sein Analysetool, das er im Rahmen seiner Masterarbeit entwickelt hat, sind die Geodaten des Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystems (ALKIS®) sowie des Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystems (ATKIS®). Weitere kommunale Daten können - je nach Fragestellung - in die Software eingebunden werden, um Ergebnisse zu verfeinern. Die Software SiKlaS steht kostenfrei zur Verfügung und hat während des GeoForums bereits Interessesenten gefunden.

Obwohl der Umgang mit Geobasisdaten für Kommunen zum Arbeitsalltag gehört, zeigte sich im letztjährigen GeoForum hoher Informationsbedarf rund um das Thema Vermessung. Die Verwendungsmöglichkeiten von Geodaten hängen sehr eng mit der Art ihrer Entstehung, also mit Ihrer Qualität, zusammen. Doch wie erkennen Anwender, welche Qualität die amtlichen Geobasisdaten haben? Wann wird vermessen? Wer darf vermessen? Wie werden Gebühren berechnet? Diese und weitere Fragen sind von Wolfgang Weber, Abteilungsleiter Geobasis Vermessung, beantwortet worden.

Über alles Neue und Wissenswerte zur Landesvermessung – hier insbesondere zu Digitalen Orthophotos, Digitalen Topographischen Karten, Digitalen Höhenmodellen – aber auch zum Thema Bodenmanagement – etwa Fördermöglichkeiten im Rahmen von Flurneuordnungsverfahren – sowie zur Geodateninfrastruktur und dem Interkommunalen Zusammenschluss (IKZ) in den Landkreisen Gießen und Marburg-Biedenkopf informierte das AfB die Teilnehmer des GeoForums.

„Der Name Forum bedeutet auf Latein Marktplatz. Bis heute ein Platz wo Leute ins Gespräch kommen, Neues erfahren und Angebote erhalten.“ so hatte Moderator Jörg Lipphardt das GeoForum zu Beginn umschrieben. Am Ende der Veranstaltung stand für die Teilnehmer fest, dass dieser Vergleich treffend und der Blick in die Praxis für die eigene Arbeitsweise hilfreich ist. Und wie bei Märkten üblich, möchten die Teilnehmer 2018 eine Neuauflage des GeoForums.

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Dr. Thomas Rossmanith
Dezernatsleitung Steuerung HVBG, Öffentlichkeitsarbeit, Recht
Telefon: +49 611 / 535 - 5399
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E-Mail: thomas.rossmanith@hvbg.hessen.de

Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation
Schaperstraße 16
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