Fast 900 Hektar in Fronhausens Ortsteilen Sichertshausen, Bellnhausen und Hassenhausen neu geordnet

Zum feierlichen Abschluss der beiden Flurbereinigungsverfahren (FB) Fronhausen-Bellnhausen und Fronhausen - Sichertshausen hatten die Vorstände der Teilnehmergemeinschaften (TG) eingeladen. Der TG-Vorsitzende von Bellnhausen Ernst Breitstadt sprach auch im Namen des TG-Vorsitzenden von Sichertshausen Klaus Bingel und würdigte den erfolgreichen Abschluss, genauso wie Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Stefanie Flecke, Leiterin des Amtes für Bodenmanagement (AfB) Marburg, dankte sowohl den TG-Vorständen als auch Vertretern der Kommune Fronhausen sowie von Hessen Mobil für die langjährige gute und vielfach kreative Zusammenarbeit.

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Abschluss Flurbereinigungsverfahren Fronhausen-Sichertshausen-Bellnhausen
Ludwig Gilbert (TG), Klaus Bingel (TG-Vorsitzender Sichertshausen), Burkhard Frös (AfB Verfahrensleiter), Stefanie Flecke (AfB), Dr. Lothar Mann (TG), Willi Jung (TG), Ernst Breitstadt (TG-Vorsitzender Bellnhausen), Günter Jung (TG)

„Heute werden zwei Flurbereinigungsverfahren abgeschlossen, die die Lebensbedingungen für die Bevölkerung in Bellnhausen und Sichertshausen sowie die Arbeits- und
Produktionsbedingungen für die Land- und Forstwirtschaft insgesamt erheblich verbessert haben. Erreicht wurde dies insbesondere auch durch die hervorragende Zusammenarbeit der hier Anwesenden“, eröffnete Stefanie Flecke die Veranstaltung.

Der TG-Vorsitzende Ernst Breitstadt stellte aus seiner Sicht die positive Wirkung der Flurbereinigung für die Landwirtschaft heraus und sprach ein besonderes Lob aus: „Mit dem Amt für Bodenmanagement lief es einfach rund, praktisch bis zur letzten Minute. Für mich ist es eine fünf Sterne Behörde.“

„Auslöser für die Einleitung der beiden Verfahren war der Ausbau der B3 und die damit verbundene Zerstörung der vorhandenen Agrarstruktur. Über 40 Hektar Land beanspruchte der Straßenbau. 23 Hektar in Sichertshausen und 17,5 Hektar in Bellnhausen. Ziel der Flurbereinigungen war es, diesen Landverlust sozialverträglich auf viele Schultern zu verteilen“, führte Verfahrensleiter Burkhard Frös vom AfB aus.
Das zerschnittene Wege- und Gewässernetz wurde neu konzipiert und für moderne Maschinen breiter ausgebaut. Grundstücke und Ackerschläge wurden neu geformt und
vergrößert, damit moderne Landbewirtschaftung nach heutigen Maßstäben rentabel betrieben werden kann. Weiteres Ziel war der Ausgleich aller Eingriffe in den Naturhaushalt. Darüber hinaus wurden Vorhaben der Kommune innerhalb der Flurbereinigung umgesetzt.

Dorferneuernde Maßnahmen im Rahmen der Flurbereinigung

Markante Zeichen für die Bürgerinnen und Bürger sind zum einen die Neugestaltung des Dorfmittelpunktes in Sichertshausen, der bernsteinfarben gepflasterte Kastanienplatz. Die Idee dazu hatte der Arbeitskreis „Dorferneuernde Maßnahmen im Flurbereinigungsverfahren“. Und zum anderen die grundhafte Erneuerung der Hauptstraße zwischen Backhaus und Sirenenplatz. Dabei wurden die Gehwege gepflastert, die Fahrbahn 4,50 Meter breit ausgebaut und etwa 30 Zentimeter tiefer gelegt. Dies verhindert seitdem bei Starkregen das Überfluten von Kellern und Höfen der Anlieger.
Zu den weiteren Maßnahmen zählen die Aufstellung von Ruhebänke an den Ortsrändern sowie Sitzgruppen mit Tisch am Kinderspielplatz und am Buswartehäuschen. Mit einer wetterfesten Tischtennisplatte und einem Holzpavillon wurde der Bolz- und Festplatz aufgewertet.

Agrarstruktur, Wegebau, Brückenbau und Brückensanierung

Der Flächenbedarf für alle Maßnahmen einschließlich dem Landverlust durch den Umgehungsstraßenbau konnte durch Ankauf gedeckt werden, sodass kein Flächenbeitrag der Grundstückseigentümer notwendig wurde.

Insgesamt konnte die Anzahl der Grundstücke durch die Neukonzeption nahezu halbiert werden, von rund 2400 auf 1200. Gleichzeitig verdoppelte sich annähernd die mittlere Schlaglänge (Ackerlänge) der landwirtschaftlich genutzten Flurstücke, auf durchschnittlich 200 bis 250 Meter.

Im Flurbereinigungsverfahren wurde zudem die Meliorationskalkung von 288 Hektar Ackerland (188 Hektar in Bellnhausen, 80 Hektar in Sichertshausen) gefördert. Sie dient der Verbesserung des Bodenschutzes und beugt Wassererosion vor.

Die Teilnehmergemeinschaft des Flurbereinigungsverfahrens Fronhausen-Bellnhausen hat in Zusammenarbeit mit den drei Jagdgenossenschaften von Fronhausen, Bellnhausen und Hassenhausen drei asphaltierte Wirtschaftswege von Grund auf erneuert. In der Gemarkung Fronhausen wurde der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Hauptwirtschaftsweg zwischen Bahnlinie und der Lahn auf einer Länge von 850 Meter im Fräsrecyclingverfahren erneuert. In der Gemarkung Bellnhausen wurde der 155 Meter lange Weg in der Feldlage „Auf dem Kies“ ebenfalls grundhaft erneuert und in der Gemarkung Hassenhausen erhielt der Bachwiesentalweg in zwei Teilabschnitten auf einer Länge von insgesamt 640 Metern einen Deckenüberzug aus einer neuen Asphalttragdeckschicht.

Insgesamt entstanden in Bellnhausen und Hassenhausen etwa drei Kilometer Asphaltwege, 3,3 Kilometer wassergebundene und drei Kilometer unbefestigte Wirtschaftswege.

Im bestehenden Wegenetz von Sichertshausen wurden insgesamt rund 1,3 Kilometer Asphaltwege erneuert, in einem Steilstück 120 Meter Rasengittersteine verlegt und circa 2,8 Kilometer wassergebundene Wege auf alter Trasse neu gebaut oder instand gesetzt“, fasste Wege- und Gewässerbauer Kurt Moog vom AfB zusammen.

Die fast 100 Jahre alte und denkmalgeschützte Lahnbrücke bei Sichertshausen wurde grundsaniert und dabei modernisiert. Sie ist die wichtigste landwirtschaftliche Verbindung zwischen Fronhausen und den östlich der Lahn gelegenen Ortsteilen und gleichzeitig Teil des überregionalen Lahntalradweges und des Radweges Lange Hessen. Im Rahmen der Flurbereinigung wurden über 800 000 Euro für eine breitere Fahrbahn (3,80 Meter), einen Fußgängerbereich und die Erhöhung der Tragkraft für Fahrzeuge bis zu 30 Tonnen denkmalgerecht investiert.

Im Verfahrensgebiet Bellnhausen wurden zwei Wirtschaftswegebrücken über die Zwester-Ohm erneuert. Die Köbergsbrücke und die Rackebachbrücke erschließen gemeinsam den gesamten Feld- und Waldbereich nördlich der Zwester-Ohm in der Gemarkung Hassenhausen. Über die Köbergsbrücke führt die Hauptzufahrtstraße zum Sportplatz der Spielgemeinschaft Bellnhausen - Hassenhausen und zu den Wohnhäusern, die an der Straße „Zum Köberg“ stehen. Die Rackebachbrücke dient neben der reinen landwirtschaftlichen Nutzung auch der Forstverwaltung als Teil des Holzabfuhrweges. Beide Brücken sind für die Landwirtschaft sehr wichtige Verbindungen in den nördlichen Gemarkungsbereich von Hassenhausen. Die nach der Sanierung breitere Fahrbahn und die höhere Tragkraft ermöglicht die Nutzung mit modernen landwirtschaftlichen Maschinen.

Gewässer- und Naturschutz, Landschaftspflege

An den Gewässern Lahn, Zwester Ohm, Mühlgraben der Zwester-Ohm, Tiefenbach und Goldbach wurden insgesamt 13,8 Kilometer Uferrandstreifen neu ausgewiesen. Dies dient einerseits dem Gewässerschutz und andererseits der naturnahen Entwicklung der Gewässer, ihrer Ufer- und Auenbereiche.

„In beiden Flurbereinigungsverfahren wurden in den Jahren 2000 bis 2014 neben Uferrandstreifen rund 50 Biotope mit einer Gesamtfläche von über sechs Hektar neu angelegt oder erweitert. In Form von Streuobstbeständen, Hecken und Feldgehölzen sowie als Gras- und Krautstreifen stellen sie wichtige Bausteine im Biotopverbund dar, bilden und vernetzen Lebensräume für Flora und Fauna und werten für den Menschen das Natur- und Landschaftserleben auf. Nicht zuletzt sind sie Ausgleich für flurbereinigungsbedingte Eingriffe“, erklärt Landschaftspfleger Dietmar Schumann vom AfB Marburg.

In diesen neu geschaffenen oder erweiterten Biotopen wurden über 100 Landschaftsbäume, 3850 Sträucher sowie 300 hochstämmige Obstbäume neu gepflanzt. Außerdem erhielten 310 alte Obstbäume einen Grundsanierungs- oder Verjüngungsschnitt. Zur Förderung der biologischen Vielfalt wurden zudem fünf sogenannte Wildbienenhotels auf den Blüh- und Saumstreifen aufgestellt.

Finanzierung

Die Ausgaben für alle Maßnahmen beider Flurbereinigungsverfahren beliefen sich auf 2.925.000 Euro. Davon übernahm der Unternehmensträger Hessen Mobil 559.000 Euro, 1.696.000 Euro Fördergelder steuerten EU, Bund und Land zu. Zur Reduzierung der Belastung der Teilnehmergemeinschaften übernahm die Kommune Fronhausen 465 000 Euro. Die übrigen Kosten wurden von den Teilnehmergemeinschaften und den oben genannten Jagdgenossenschaften getragen.

Fachlicher Ansprechpartner:
Verfahrensleiter
Burkhard Frös
+49 (6421) 3873 3274
Burkhard.Froes@hvbg.hessen.de

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Dr. Thomas Rossmanith
Telefon: +49 611 / 535 - 5399
Fax: +49 611 / 535 - 5309
E-Mail: thomas.rossmanith@hvbg.hessen.de

Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation
Schaperstraße 16
65195 Wiesbaden

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