Fische schwimmen vor der Kirche

Die sprichwörtlich munteren Fische im Wasser kennt jeder. Auch ein Fischsymbol in der Nähe einer Kirche ist als christliches Erkennungszeichen nicht außergewöhnlich. Doch in Katasterunterlagen haben die Kiementräger bisher noch keinen Einzug gefunden. In Korbach ist das anders.

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Alte Karte Berich

Die gelbliche Pappe hängt vor Feuchtigkeit und Lichteinfall gut geschützt im Rollarchiv des Amtes für Bodenmanagement. Als sogenannte Urkarte weist sie die erste Katastervermessung in der Gemarkung Berich aus dem Jahr 1853 nach. Vermessen wurde der Ort vom Geometer Fernholz und dem Geometergehilfen L. P. Huhsing zum Zwecke der waldeckischen Grundsteuerveranlagung. Die Messergebnisse sind mit Maßstab und Kartiernadel filligran in den Karton gestochen und mit Tusche ausgezeichnet. Ein Stück Katastergeschichte im Maßstab 1:625.

Kuriose Kirchenbesucher

Die genauere Betrachtung offenbart allerdings eine Überraschung. Zwischen ockerfarben kolorierten Straßen und mit roten Balken versehenen Gebäuden tummeln sich auf dem Vorplatz zur Kirche zwei Fische. Dem einen steigen aus dem offenen Maul Luftblasen empor. Der Physiognomie nach könnte es sich dabei um einen Hecht und eine Plötze handeln. Doch so unklar die Artenbestimmung gerät, desto eindeutiger lässt sich die Existenz der Flossentiere auf dem Katasterkarton erklären. Dazu reicht ein Blick in die Geschichte.

Ehemaliges Kloster

Der Ort Berich wurde 1753 als eine Ansiedlung von 10 Kolonistenfamilien auf dem Gelände eines ehemaligen Nonnenklosters gegründet. Dieses befand sich auf einer schmalen Anhöhe über der Eder.

Im Jahr 1905 zählte Berich 134 Einwohner, die sich in der Folge mit der Planung einer großen Staumauer konfrontiert sahen. Die Mauer wurde in den Jahren 1909 bis 1914 errichtet und der Edersee angestaut. Doch zu diesem Zeitpunkt hatten die Familien das Dorf bereits abgetragen und in der Nähe von Bad Arolsen als „Neu-Berich“ wieder errichtet.

Alles auf den Ochsenkarren

Wie ein solcher Umzug von statten ging, zeigt das Beispiel der ehemaligen Kirche des Klosters.  Die Steine um die Fenster und um das Portal wurden von den Dorfbewohnern sorgfältig abgebaut, nummeriert und mit Ochsen- und Pferdewagen nach Neu-Berich gebracht, ebenso die Türen und Fenster, der Fußboden, die Orgel und der Altar. Dort wurde die Kirche wieder errichtet. (1)

Gleichermaßen erging es den Dörfern Asel und Bringhausen, die ebenfalls abgetragen, aber in unmittelbarer Näher des Sees neu aufgebaut wurden.

Heute unter Wasser

Die alte Bericher Ansiedlung, auch als Alt-Berich bezeichnet, ist seit dieser Zeit geflutet. Nur bei Wasserarmut und Tiefstand des Edersees ragt die ehemalige Ederbrücke des Ortes aus dem Wasser und kann begangen werden. Taucher erkennen noch heute die Grundmauern und Keller der ehemaligen Gebäude.

Und die Fische?

Die hat ein um Authentizität bemühter und mit einer Prise Humor ausgestatteter Vermesser als Freihandzeichnung in die Karte eingebracht. Und hat sie niemand ausradiert, dann schwimmen sie noch heute.

Anmerkung:
Zur Zeit des Vollstaus fasst der Stausee zirka 200 Millionen m³  Wasser. Die ehemalige Bericher Brücke liegt bei Vollstau 28 Meter unter der Wasseroberfläche (2)

Quellen:

(1)   https://de.wikipedia.org/wiki/Berich

(2)   http://regiowiki.hna.de/Edertalsperre

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