Flurbereinigung - Wirkungsanalyse belegt positive Entwicklung

Die Flurbereinigungsverfahren Kirchhain I und II wurden offiziell mit Übergabe des Flurbereinigungsplans beendet. Dank der Flurbereinigung ist es gelungen, 1500 Hektar Land – mit ebenso vielen Eigentümern – nach heutigen Anforderungen neu zu ordnen.

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Feuchtbiotop Verfahren Kirchhain I und II

Auslöser für beide Flurbereinigungsverfahren war der Neubau der Umgehungsstraßen B 62 und 454 rund um Kirchhain sowie der notwendige Neuanschluss der Landesstraßen 3048 und 3073 sowie der Kreisstraße 30. Diese umfangreichen Straßenbauten beanspruchten große landwirtschaftliche Flächen; Wege- und Gewässernetze wurden durch den Straßenbau zerschnitten und unbrauchbar. Veränderungen der ländlichen Grundstücksstruktur in Teilen der Gemarkungen von Amöneburg, Kirchhain, Langenstein, Niederwald, Großseelheim, Kleinseelheim und Schönbach wurden dadurch nötig.

Die Ziele beider Flurbereinigungsverfahren, den Landverlust auf möglichst viele Eigentümer sozialverträglich zu verteilen und die Eingriffe in die Natur auszugleichen, wurden erreicht. Dabei konnten weitreichende Verbesserungen für die Bevölkerung, die Landbewirtschaftung, die Kulturlandschaft und den Naturhaushalt umgesetzt werden. Zeitgleich wurden die Gewässer naturnah gestaltet und der Hochwasserschutz verbessert. Ein multifunktionales Wegenetz einschließlich dazugehöriger Brücken wurde konzipiert und ausgebaut; es ermöglicht wirtschaftlichere Landnutzung, berücksichtigt Rad- und Wanderwegeverbindungen und steigert den Naherholungswert für die Bevölkerung.

Große Aufgaben, die nicht zuletzt durch das vielfältige ehrenamtliche Engagement der Vorstandsmitglieder beider Teilnehmergemeinschaften (TG) umgesetzt wurden. Für deren langjährigen Einsatz dankte Werner Brietzke, Verfahrensleiter beim Amt für Bodenmanagement, in der letzten Vorstandssitzung sowie den Vertretern der Städte
Kirchhain, Amöneburg und des Wasser- und Bodenverbandes Marburger Land, die alle für gute und konstruktive Zusammenarbeit stehen.

Besonders hervorzuheben sind die Ergebnisse einer sogenannten Wirkungsanalyse für beide Verfahren, die von den TG-Vorständen begleitet wurde. Dieser ist zu entnehmen, dass in beiden Verfahren enorme Wirkung für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft erreicht wurden. Die festgestellten Verbesserungen durch die Flurbereinigung gegenüber dem ursprünglichen Zustand betrugen bis zu 90 Prozent. Diese 2010 beispielhaft erstellte Analyse ist zur Grundlage für die Verfahrensbearbeitung im gesamten hessischen Raum geworden und belegt eindrucksvoll die vielen unterschiedlichen positiven Wirkungen der hessischen Flurneuordnung auf unseren ländlichen Raum.

Flächenbereitstellung, Agrarstruktur, Wegebau einschließlich Brücken

Die notwendigen Flächen für die Bundesstraße 62 und 454 (Umgehung Kirchhain) einschließlich der Anschlüsse der Landesstraßen 3048 und 3073 sowie der Kreisstraße 30 konnten bereitgestellt werden. Neu geregelt wurden auch die Eigentumsverhältnisse für die Sanierung, Erhöhung und Verbreiterung von rund fünf Kilometer Deich am Ohm- Hochwasserrückhaltebecken.

Die ursprünglich rund 2600 wurden zu 1800 Grundstücken zusammengelegt, die Ackerlängen (Schlaglänge) um durchschnittlich 15 Prozent vergrößert und damit die wirtschaftliche Nutzung für die Landwirtschaft verbessert. Zur Bodenverbesserung und zum Schutz vor Wassererosion wurden bedürftige Ackerflächen gekalkt (Meliorationskalkung).

Das Wegenetz wurde optimiert, modernisiert und die Verkehrssicherheit laut Wirkungsanalyse deutlich erhöht. Parallel zu den überregionalen Straßen verlaufende Wirtschaftswege nutzen dem landwirtschaftlichen Verkehr sowie Radfahrern und Wanderern. Einzelzufahrten von Wirtschaftswegen auf Verkehrsstraßen reduzierten sich durch diese Parallelwege ganz erheblich. Über 25 Kilometer Wege wurden insgesamt erneuert, aus- oder neu gebaut. Elf sanierte Brücken vervollständigen das Wegenetz in den Verfahrensgebieten Kirchhain I und II. Damit die Brücken auch in Zukunft für die Nutzung durch modernere und größere Landmaschinen geeignet sind, wurden sie für Belastungen von 16 und teilweise bis zu 40 Tonnen ausgebaut.

Der Bau von je einem Fahrsilo in Langenstein und Niederwald, von je einem Güllebehälter in Langenstein, Niederwald und Großseelheim sowie der Bau einer Gemeinschaftsmaschinenhalle in Amöneburg - Radenhausen wurde ermöglicht und gefördert um die Bewirtschaftungsabläufe für die Landwirtschaft zu erleichtern.

2005 wurden die Eigentümer in ihren Besitz eingewiesen und bewirtschaften seitdem ihre neuen Grundstücke.

Gewässer- und Naturschutz, Landschaftspflege

An den Gewässern Alte Ohm, Würf, Mühlenwohra, Klein, Netzebach, Münchbach und Waschbach wurden insgesamt 7,5 Kilometer Uferrandstreifen neu ausgewiesen, dies dient dem Gewässerschutz und der naturnahen Entwicklung der Bäche einschließlich ihrer Ufer und Auen.

Landschaftspfleger Dietmar Schumann vom AfB Marburg erläutert: „In beiden Flurbereinigungsverfahren wurden in den Jahren 1996 bis 2014 rund 75 Biotope mit einer
Gesamtfläche von circa 10 Hektar neu angelegt oder erweitert. In Form von Feuchtbiotopen mit Extensiv-Grünland, Baumreihen und –gruppen, Streuobstbeständen, Hecken und Feldgehölzen sowie als Gras- und Krautstreifen stellen sie wichtige Bausteine im Biotopverbund dar. Sie bilden und vernetzen Lebensräume für Flora und Fauna und werten für den Menschen das Natur- und Landschaftserleben auf. Nicht zuletzt sind sie Ausgleich für flurbereinigungsbedingte Eingriffe.“

In diesen neu geschaffenen oder erweiterten Biotopen wurden über 400 hochstämmige Landschaftsbäume, 350 Kopfweiden, 11.000 Sträucher sowie 120 Obstbäume neu gepflanzt. Außerdem erhielten 110 alte Obstbäume einen Grundsanierungs- oder Verjüngungsschnitt.

Finanzierung

5.280.000 Euro betragen die Gesamtkosten für beide Flurbereinigungsverfahren. Das Land Hessen hat die Verfahrenskosten getragen. Die Ausführungskosten wurden durch Fördermittel von EU, Bundesrepublik Deutschland und Land Hessen mit 2.945.000 Euro bezuschusst. Den Eigenanteil in Höhe von 1.700.000 Euro haben überwiegend die Kommunen Kirchhain, Amöneburg, Hessen Mobil, der Wasser- und Bodenverband Marburger Land, der Wasserverband Lahn-Ohm getragen.

Den „letzten Schlusspunkt“ unter beide FB-Verfahren setzte die Übergabe der zusammengefassten Ergebnisse, dem sogenannten Flurbereinigungsplan. Die darin
enthaltenen Festlegungen haben für die Zukunft Satzungscharakter in Kirchhain und Amöneburg.

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Pressesprecher: Herr Dr. Thomas Rossmanith
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