Geoforum bietet interessante Vorträge

Es sind Themen von kommunaler Bedeutung, welche die knapp 50 Teilnehmer des 7. Geoforums ins Amt für Bodenmanagement nach Korbach locken. Einmal im Jahr lädt Amtsleiter Frank Mause die Bürgermeister, Bauamtsleiter und weitere Fachleute der Landkreise Kassel und Waldeck Frankenberg zu Fachvorträgen und Meinungsaustausch ein.

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GeoForum AfB Korbach

Geodaten bilden Grundlage

Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind Gewässerrenaturierung, kommunale Daten im Geoportal, die Novellierung des Denkmalschutzgesetzes und die Revitalisierung von brachliegenden Ortskernen.
Allen Themen gemeinsam sind die zugrundeliegenden Geodaten. Die werden vom Amt für Bodenmanagement produziert und im Geoportal in verschiedenster Ausprägung zur Verfügung gestellt. Das GeoForum dient dazu, mit den Nutzern der Daten im Austausch zu bleiben, auch, um Weiterentwicklungen bedarfsorientiert anzubieten.

Gewässerrenaturierung durch Flurbereinigung

Als erster Referent des Tages berichtet Herbert Welteke (RP Kassel) über Möglichkeiten der Gewässerrenaturierung im Rahmen von Flurbereinigungsverfahren. Anschaulich belegen Vorher-Nachher-Fotos der Bauna, Nieste und Losse im Landkreis Kassel die Vorteile von Renaturierungen. Die Fließgeschwindigkeit wird gesenkt, Struktur- und Artenvielfalt erhöht. Wo vorher monotone Graswüsten als Randstreifen eine kanalartig begradigte Losse flankierten, ist nachher ein ansehnlicher Bachlauf mit abwechslungsreichem Uferbewuchs und abgeflachten Böschungen entstanden. Das so renaturierte Gewässer schafft neue Biotope. Die hierfür teilweise nötigen zusätzlichen Flächen können mit dem Instrument Flurbereinigungsverfahren zur Verfügung gestellt werden.
Für die Planung und Umsetzung solcher Projekte unerlässlich: Aussagekräftige Geodaten als Karten– und Entscheidungsgrundlage.

Kommunen nutzen Geodaten

Mittlerweile nutzen alle Kommunen des Landkreises Waldeck-Frankenberg mit behördlicher Unterstützung und Beratung diese Geodaten. Joachim Oellrich vom AfB Korbach berichtet über Aktivitäten der unter dem Namen „GDI Waldeck-Frankenberg“ zusammengeschlossenen und kooperierenden Kommunen.
Ein erreichter Meilenstein der GDI-Arbeitsgruppe ist die Veröffentlichung von Bebauungsplänen im Geoportal zum Frühjahr 2018. Damit sind die für Bauvorhaben mitentscheidenden Pläne für jedermann kostenfrei im Internet abrufbar. Die übergeordneten Flächennutzungspläne sollen in gleicher Weise folgen. Im Bereich Tourismus arbeitet man an einem Radwegemanagementsystem. Auch die Vernetzung mit der „GDI Nordosthessen“ bietet vielfältige Möglichkeiten. So wird beispielsweise ein gemeinsamer Geodatenserver benutzt. Eine weitere Kooperation betreibt die GDI Waldeck-Frankenberg mit dem nordhessischen Verkehrsverband NVV.

Neues Denkmalschutzgesetz

Das bei den Planungen von Gemeinden nicht nur Geodaten, sondern auch gesetzliche Grundlagen eine entscheidende Rolle spielen, führt Susanne Paulus, Fachdienstleiterin des Kreisbauamtes Korbach, vor Augen. Sie informiert die Zuhörer über die Novelle des Denkmalschutzgesetzes. Dabei erinnert sie einleitend an den Vorreiter des Denkmalschutzes in Hessen, Landgraf Friedrich II von Hessen-Kassel. Der erließ 1780 die erste denkmalschutzrechtliche Verfügung mit dem Ziel, historisch wertvolle, stilprägende Gebäude der Nachwelt zu erhalten. Knapp 240 Jahre später überlebt dieser Grundgedanke immer noch im aktuellen Gesetz. Er stellt aber auch für Gemeinden wie Privatleute einen Hemmschuh dar. Die Vorschriften bedingen hohe Renovierungs– und Erhaltungskosten. Zudem erschweren sie Dorferneuerungen, sowie zeit- und bedarfsgerechte Nutzung von Gebäuden. Erfreulich: Die neueste Fassung des Denkmalschutzgesetzes berücksichtigt stärker die Belange von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen. Darüber hinaus gewinnen durch Berücksichtigungsklauseln für erneuerbare Energien die Belange des Klima- und Ressourcenschutzes an Bedeutung.

Bauplatzsuche im Geoportal

Direkten Praxisbezug stellt Alexej Rickert vom AfB Korbach her, der sein Fachpublikum auf eine Reise ins Internet mitnimmt. Am Beispiel eines bauplatzsuchenden, jungen Familienvaters. Die Recherche nach einem geeigneten Grundstück greift auf eine Vielzahl raumbezogener Daten zu. So werden nacheinander für das in Frage kommende Grundstück Daten zum Hochwasserschutz (Flußnähe), der Lärmbelastigung (Nähe Bundesstraße) und ergänzend Bodenrichtwerte (Kosten) aufgerufen. Die abgerufenen Daten repräsentieren nur einen kleinen Teil der tatsächlich zur Verfügung stehenden Inhalte im Geoportal. Auch Orthophotos, Regionalpläne, Naturschutzgebiete und die Denkmaltopographie (teilweise) sind einsehbar.

Revitalisierung in Ortskernen

Mit leerstehenden oder mindergenutzten Wohn- und Nebengebäuden befasst sich der abschließende Vortrag der Stadtplanerin Dr. Renate Buchenauer. Sie stellt ihr Revitalisierungsprojekt des alten Ortskerns im Battenberger Stadtteil Frohnhausen vor. Das Bild des Ortskerns prägen viele leerstehende Wohn- und Nebengebäude mit teilweise geringer Restnutzung. Enge tunnelartige Gassen sind stark überbaut. Daneben gibt es einige Baulücken und mehrere Kulturdenkmäler oder denkmalgeschützte Anlagen.
Alles in allem ein Bild, welches die meisten Zuhörer auch in der eigenen Gemeinde vorfinden. Eine Revitalisierung bedeutet, den absterbenden Ortskern wiederzubeleben. Einem Abriss oder schrittweisem Rückbau alter Gebäude können vielfältige Maßnahmen folgen: die Aufwertung neu gewonnener Flächen (Garten, Freiflächen, Funktionsbauten, Einfriedungen) und die Entwicklung standortgerechter Nutzung (Mehrgenerationenhaus, Tourismus, soziale Einrichtungen).
Hauptziel: Der Ortskern wird wieder ein Ort mit dem sich die Einwohner identifizieren und den sie nutzen, mit Leben füllen.

Auf ein Neues in 2018

Das Konzept GeoForum hat sich auch in 2017 bewährt. Knapp über 50 Teilnehmern verlassen zufrieden das AfB. Fünf thematisch breit gefächerte Fachvorträge bieten reichlich Gesprächsstoff für Nachfragen oder Gedankenaustausch in der Pause oder nach der Veranstaltung.

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Dr. Thomas Rossmanith
Dezernatsleitung Steuerung HVBG, Öffentlichkeitsarbeit, Recht
Telefon: +49 611 / 535 - 5399
Fax: +49 611 / 535 - 5309
E-Mail: thomas.rossmanith@hvbg.hessen.de

Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinfomation
Schaperstraße 16
65195 Wiesbaden

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