Landschulheim Steinmühle und Amt für Bodenmanagement (AfB) Marburg vermitteln Trigonometrie

„Wie hoch ist unsere Schulhof-Linde?“ Diese Frage beantworteten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse gemeinsam mit Auszubildenden des Amtes für Bodenmanagement (AFB) Marburg während des Projektunterrichts „Vermessung der Welt“ im Landschulheim Steinmühle.

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Vor der Schulhoflinde Schüler der Jahrgangsstufe 9

Für die Höhenbestimmung der Schulhof-Linde bauten die Schülerinnen und Schüler ein elektronisches Tachymeter im Hof auf und ermittelten damit präzise Messwerte an der Linde. Dieses professionelle Messgerät hatten die beiden Geomatiker-Auszubildenden Johanna Lutz und Lisa Schernes vom AfB Marburg mitgebracht.

Es handelt sich um ein Messinstrument, das Horizontalrichtungen (-winkel), Vertikalwinkel und Schrägstrecken erfasst. Aus den Messwerten und mithilfe der Formeln der „ebenen Trigonometrie“ (Berechnung unbekannter Seiten und Winkel in einem beliebigen ebenen Dreieck) berechneten die Schülerinnen und Schüler die Höhe des Baumes. Dabei unterstützen die beiden Auszubildenden und beantworteten Fragen. Die Lösung der Schüler ließ nicht lange auf sich warten: „14,55, also rund 15 Meter ist die Linde hoch! Das weicht ja gar nicht viel von der Höhe ab, die wir mit unseren Schultheodoliten ermittelt haben“, so die Schüler.

Im theoretischen Teil des Unterrichts fragten die beiden Auszubildenden, wo den Schülerinnen und Schülern denn schon überall Geodaten, also Daten, die einen Bezug zur Erde besitzen, begegnet sind. Anschließend stellten sie dar, dass die Erde keineswegs eine exakte Kugel ist und spannten den Bogen von der Erde als Scheibe, über die Kugel bis zu den Erdfiguren Geoid und Ellipsoid. Es folgte ein geschichtlicher Abriss zur Kurhessischen Triangulation (1821 – 1839) und das Wirken des Mathematikers, Astronoms und Physikers Christian Ludwig Gerling (10.07.1788 – 15.01.1864) an der Universität Marburg.

„Heute spielen in circa 80 Prozent aller politischen Entscheidung Geodaten eine wesentliche Rolle“, so Jörg Lipphardt, Ausbilder beim AfB Marburg. Lipphardt stellte den Schülerinnen und Schülern den Ausbildungsberuf Geomatikerin/Geomatiker vor und zeigte die guten Berufsaussichten für Schulabgänger in der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation (HVBG) sowie die Zukunftschancen im Bereich der Geoinformation auf.

Im Hauptfach „Projektunterricht“ des Landschulheims Steinmühle erarbeiten sich Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Themen projektartig, indem sie sich mit den Inhalten handlungs- und praxisorientiert auseinandersetzen.

In das Projekt „Vermessung der Welt“ einen Praxisteil mit Fachleuten einzubauen, war Wunsch des Mathematik- und Biologielehrers Malte Klimczak, der das Projekt zusammen mit seiner Kollegin Nicole Faß konzipiert hat und zu Beginn des Schuljahres mit der Idee an das AfB Marburg herangetreten ist. „Was kann Schülern die Sinnhaftigkeit des Lernens besser vermitteln, als der Austausch mit Fachleuten deren tägliches Handwerkszeug Trigonometrie ist? Die Motivation zum Lernen kommt dabei automatisch“, so Steffen Ullwer, der Projektlehrer der Klasse.

„Aus unserer Sicht ist es sogar ein perfektes Beispiel für eine Win-Win-Situation“, ergänzten die beiden Auszubildenden Lisa Schernes und Johanna Lutz. „Wir mussten uns auf den heutigen Tag vorbereiten und konnten dabei Ausbildungsinhalte wiederholen, die in unserer Prüfung gefragt sind.“ Allen drei 9. Klassen wurde im Rahmen des Projektunterrichts in einer Doppelstunde von den Auszubildenden des AfB - zuerst theoretisch und dann ganz praktisch - Trigonometrie vermittelt.

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