Nachfrage nach Immobilien ungebrochen

Die Nachfrage nach Immobilien ist ungebrochen hoch. „So wurden 2020 zum zweiten Mal mehr als 10.000 Verträge abgeschlossen und 1,4 Milliarden Euro umgesetzt“, so der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses, Lothar Dude-Georg bei der Vorstellung des neuen Immobilienmarktberichts. Die Zahlen gelten für Immobilien in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und der Stadt Wetzlar (ohne die Städte Gießen und Marburg).

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Immobilienmarktbericht Landkreise Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf

Mehr als 2.100 Ein- und Zweifamilienhäuser wechselten 2020 ihre Besitzer. Allein dafür wurden rund 470 Millionen Euro umgesetzt – elf Prozent mehr als im Vorjahr und rund ein Drittel aller Umsätze im Immobiliensektor. Dies ermittelte der Gutachterausschuss für Immobilienwerte im hessischen Amt für Bodenmanagement (AfB) mit Sitz in Marburg.

Eigenheime werden gesucht und die Angebote auf dem Immobilienmarkt werden knapper: Auch bisher weniger begehrte Objekte wurden 2020 angeboten und gehandelt. Ein Indikator ist Anzahl der Zwangsversteigerungen. Dieser ist mit 74 Fällen auf dem niedrigsten Niveau seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 2005.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Eigenheimen habe Einfluss auf die Preise, sie kletterten weiter nach oben. So ist der durchschnittliche Verkaufspreis von Ein- und Zweifamilienhäusern im Vergleich zum Vorjahr um knapp zehn Prozent von rund 196.000 Euro auf 215.000 Euro gestiegen.

Eigenheime sind in den Landkreisen nicht überall gleich teuer – nach wie vor gibt es ein deutliches Preisgefälle mit Blick auf Immobilien in den sogenannten „Speckgürteln“ rund um Gießen, Marburg und Wetzlar gegenüber ländlichen Bereichen. Dort beträgt der ermittelte Wert einer Standard-Immobilie (Baujahr 1980, Wohnfläche 150 Quadratmeter, Grundstücksgröße 700 Quadratmeter) im Jahr 2020 rund 192.000 Euro (2019: 174.000 Euro) und damit noch unter 200.000 Euro. Im Stadtumfeld hingegen kostete eine vergleichbare Immobilie zum gleichen Stichtag rund 313.000 Euro (2019: 294.000 Euro). Dieser Preis liegt deutlich über 300.000 Euro und mehr als 100.000 Euro über dem Wert im ländlichen Bereich.

Ein ähnlicher Trend lässt sich bei gebrauchten Eigentumswohnungen feststellen: Hier wurde eine Preissteigerung bei den wiederverkauften Wohnungen von 13 Prozent nachgewiesen. Damit beträgt der Preis pro Quadratmeter Wohnfläche nun im Durchschnitt 1.706 Euro. Neun Prozent mehr neue Eigentumswohnungen wurden im Jahr 2020 verkauft. Ein Quadratmeter Wohnfläche kostete im Schnitt 3.066 Euro – ein Minus von zwei Prozent gegenüber 2019. Ob mit diesem Preisniveau nun die Spitze erreicht sei, könne abschließend noch nicht eindeutig belegt werden, sagt Fachbereichsleiter Tobias Rhiel. Denn die allgemeine Baupreissteigerung habe bei diesen Verkäufen noch keinen Einfluss auf den Verkaufspreis (Objekte wurde vor dem Jahr 2020 fertiggestellt).

„Der Anstieg der Baupreise und die Verknappung der Rohstoffe führen indirekt zu einer Steigerung bei den Immobilienpreisen“, meint Rhiel. Diese Verteuerungsrate würde sich am sogenannten Baupreisindex ablesen lassen, welcher vom Statistischen Bundesamt ermittelt wird. Er spiegelt die Entwicklung der Preise in der Bauwirtschaft wider. Dieser ist seit dem Jahr 2010 um 35 Prozent angestiegen. Diese Steigerung wirkt sich zum einen auf die tatsächlichen Kosten für Neu- und Umbaumaßnahmen bei Gebäuden und Eigentumswohnungen aus. Zum anderen verteuert sie die Bodenpreise über höhere Erschließungskosten für Baugrundstücke. Gesteigerte Baukosten, unter anderem für Straßenanbindung, Kanal- oder Wasseranschluss, tragen auch zur Erhöhung der Baulandpreise bei.

Die maximalen durchschnittlichen Baulandpreise im Verkaufsjahr 2020 sind im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 280 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche gestiegen. Neben der allgemeinen Preissteigerung ist auch ein Mangelangebot an Bauplätzen in Wetzlar und im Landkreis Gießen dafür verantwortlich. Demgegenüber sind die durchschnittlichen Baulandpreise in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill sogar leicht gesunken, da in Marburg-Biedenkopf ausreichend Bauplätze zur Verfügung standen und im Lahn-Dill Kreis viele Bauflächen in Lagen mit niedrigerem Preisniveau verkauft wurden.

Der Immobilienmarkbericht 2021 kann gegen eine Gebühr von 50 Euro direkt über die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses (Robert-Koch-Straße 17, 35037 Marburg, Tel.: 06421 3873-3330, E-Mail: gs-gaa-afb-mr@hvbg.hessen.de) bezogen werden.

Bei Fragen wenden Sie sich an den fachlichen Ansprechpartner im AfB Marburg, Tobias Rhiel (Tel.: 06421 3873-3359, E-Mail: tobias.rhiel@hvbg.hessen.de).

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Uwe Gärtner
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