Neun Zentner schwer, 290 Jahre alt und bietet Orientierung

Zwischen Simmersbach und Eibelshausen wurde ein Grenzstein wieder in seine ursprüngliche Lage versetzt. Eigentlich ein alltäglicher Vorgang für die Beschäftigten des Amtes für Bodenmanagement (AfB) Marburg, doch in diesem Fall handelte es sich um einen Grenzstein von beachtlichem Gewicht. Der rund neun Zentner schwere Stein ist gleichzeitig historisches Kleindenkmal und wurde von Nico Klotz mit seinem Bagger millimetergenau in seine richtige Position gebracht. Hans-Jürgen Gröf und Jörg Hagner vom AfB Marburg hatten zuvor exakt die Lage vermessen. Vor Ort waren neben Jürgen Daum, Obmann für historische Grenzsteine, auch Eschenburgs Bürgermeister Götz Konrad, Oliver Prahl von der Revierförsterei Eschenburg und Stefanie Flecke, Leiterin des AfB Marburg.

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Grenzstein Nr. 13

„Wir führen für das Setzen dieses Grenzsteins ein förmliches Grenzfeststellungs- und Abmarkungsverfahren durch. Dabei werden alle Anlieger beteiligt und zum Abmarkungstermin eingeladen. Schließlich markiert der Grenzstein – zusätzlich zu seiner historischen Bedeutung - heute noch rechtsverbindlich den Verlauf der gültigen Grenze zwischen Eschenburgs Ortsteilen Simmersbach und Eibelshausen“, so Stefanie Flecke vom AfB. Darüber hinaus sind historische Grenzsteine als Kleindenkmäler per Gesetz (Denkmalschutzgesetz) besonders geschützt.

Für Jürgen Daum ist es „sein schönster Stein“. Der Obmann für historische Grenzsteine kümmert sich seit 1991 auch um diese historische Grenze, dokumentierte jeden Stein und fasste seine Arbeit 2016 sogar in einem Buch zusammen. Er kennt die Geschichte „seines Steins“ aus der Zeit, als dieser noch für Klarheit zwischen Fürstentümern sorgte.

Zeigen heute mobile Geräte mit GPS dem Nutzer seinen Standort in wenigen Sekunden, so waren die steinernen Zeugen der Vergangenheit für die Bevölkerung eine unmissverständliche Ortsbestimmung. Einzelne Buchstaben oder Zeichen ermöglichten Bevölkerungsschichten, die nicht lesen und schreiben konnten, die Orientierung. In den vergangenen Zeitaltern mit kleinteiliger Vielstaaterei waren sie unverzichtbar und zeugen auch heute noch von der wechselvollen Geschichte unserer Heimat.

Informationen von Jürgen Daum, Obmann für Historische Grenzsteine im Bereich des ehemaligen Dillkreises:

Historische Bedeutung des Grenzsteins

Dieser Grenzstein steht in einer circa 30 Kilometer langen historischen Grenzlinie. Sie beginnt am „Dreimärker“ nördlich von Mandeln und endet nahe der Gellenbachmühle
westlich von Bischoffen.

Seit dem ausgehenden Mittelalter war diese Grenze, zunächst mit einigen Abweichungen, Hoheits- und Landesgrenze. Eine Grenzbeschreibung mit Abmarkung im Jahre 1668 schuf in diesem Bereich endgültige Verhältnisse und grenzte Nassau gegen Hessen ab. Die Grenze trennte die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt von der Grafschaft Nassau, die bis 1739 den Namen Fürstentum Nassau-Dillenburg trug und danach zum Fürstentum Oranien-Nassau wurde.

Seit dem Jahre 1815 war dies die Grenze zwischen dem Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Im Jahre 1866 verlor sie an Bedeutung und wurde Kreisgrenze, da sowohl Nassau als auch der Kreis Biedenkopf, das sogenannte hessische Hinterland, an Preußen gingen.

Bei der jüngsten hessischen Gebietsreform verwandelten sich einige der alten Vorgaben in Gemeinde- und Gemarkungsgrenzen. So zum Beispiel auch hier – die Gemarkung Simmersbach wurde zur Gemeinde Eschenburg eingegliedert. Bis heute ist diese Grenze ausschließlich Gemarkungsgrenze zwischen den Gemarkungen Simmersbach und Eibelshausen der Gemeinde Eschenburg.

Bedeutung der Zahlen und Buchstaben auf dem Grenzstein aus Sandstein:

Beschriftung in Richtung Simmersbach in Richtung Eibelshausen
„Seriennummer“ des Steins B B
Abkürzung der Territorien ND HD
Fortlaufende Nummer N 13 N 13
Jahr der Vermarkung 1728 1728

Nach der ersten endgültigen Abmarkung im Jahre 1668 wurden in unregelmäßigen Abständen immer wieder Grenzbegehungen durchgeführt und dabei die fehlenden Steine durchlaufend nummeriert. Dieser Stein trägt deshalb die Nummer „N 13“. Die Zahl 1728 dokumentiert das Jahr der Steinsetzung.

  • ND bedeutet auf nassauischer Seite: Nassau-Dillenburg - So war das Fürstentum bis 1739
    bezeichnet, danach hieß es Fürstentum Oranien-Nassau.
  • HD ist die Bezeichnung für die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt
  • B auf beiden Seiten ist eine Art Seriennummer -
    wenige Jahre vorher wurde die gleiche Steinart (Sandstein) mit „A“ gesetzt.

Der „Verein zur Pflege historischer Grenzmale Hessen e.V.“ unterstützt und organisiert hessenweit die Arbeit der Obleute und ist unter www.grenzmale-hessen.com zu finden.

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Dr. Thomas Rossmanith
Telefon: +49 611 / 535 - 5399
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E-Mail: thomas.rossmanith@hvbg.hessen.de

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