Sie berichten aus vergangenen Zeiten

Er hat etwas von einem modernen Zeitreisenden. Günter Kunold ist Obmann für Historische Grenzsteine und das bringt ihn mit Zeugen längst vergangener Zeiten zusammen. Die stehen seit mehr als 278 Jahren auf der ehemaligen Grenze zwischen dem Fürstentum Waldeck und der Landgrafschaft Hessen-Cassel.

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Günter Kunold Grenzstein Nr. 9

Die Grenzmale bestehen aus moosüberwachsenen, verwitterten Sandstein und tragen herrschaftliche Wappen. Ihr hohes Alter ist auch ohne Gravur erkennbar. Während ihrer Vermarkung im Jahr 1739 regierte in Waldeck Landesfürst Carl August Friedrich. Die benachbarte Landgrafschaft Hessen-Cassel führte Friedrich I. Zu dieser Zeit war weder Goethe geboren, noch in Cassel das Schloss Wilhelmshöhe oder die Löwenburg errichtet. Vergangene Zeiten.

Ziel: Langfristig erhalten

Dass die Grenzmarkierungen auch weitere Jahrzehnte überdauern, ist erklärter Wunsch des Ehringers Günter Kunold. Seit 2011 hat er sich dem Schutz und der Erhaltung der geschichtsträchtigen Grenzsteine verschrieben. „Ich möchte dazu beitragen, dass historische Grenzsteine als das wahrgenommen werden, was sie sind – Zeugen aus vergangener Zeit, deren Erhalt allen am Herzen liegen sollte.“

124 Steine markieren Grenze

Den Verlauf der ehemaligen Waldeckisch-Hessischen-Grenze kennt er durch seine ehrenamtliche Arbeit als Obmann bestens. Sie wurde per Grenzrezess zwischen dem Fürstentum Waldeck und der Landgrafschaft Hessen-Cassel festgelegt. Der Rezess beinhaltete 124 Steine und zieht sich vom Scheid bei Volkmarsen bis zum sogenannten Fürsteneck zwischen Ippinghausen und Naumburg. Auf der Waldecker
Seite der Grenzsteine ist der Waldecker Stern, auf hessischer Seite der Hessische Löwe zu sehen. Die Beschriftung mit Steinnummer im Rezess und Jahreszahl ist wechselseitig auf hessischer und waldeckischer Seite vorhanden. Von den insgesamt 124 Steinen sind noch 93 vorhanden.

Besuch in Natur oder Internet

Wer die Steine an ihrem Standort besuchen und erleben möchte, kann sich vorab im Internet informieren, wo ihre genauen Standorte liegen. Auf der Homepage: eiringer-platt.de ist ein Teil der Steine lagemäßig beschrieben und sogar mit Fotos dokumentiert. Einige Original-Schriftstücke des Rezesses können dort ebenfalls eingesehen werden.

Archiv der Steine

Zurzeit kümmern sich in Hessen zirka 80 Obleute um historische Grenzsteine. Sie erfassen alle wichtigen Informationen zu den Steinen in Datenblättern. Günter Kunold deckt dabei den Bereich des Altkreises Wolfhagen und der Stadt Volkmarsen ab. Zuständig für die als Kleindenkmäler bezeichneten historischen Grenzsteine ist das Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Hier werden die Steine in einem Archiv inventarisiert.

Im Kurzinterview beantwortet Günter Kunold drei Fragen:

Haben Sie sich während der aktiven Berufsjahre als Vermesser auch schon für historischen Steine interessiert?

Der historische Grenzstein war für mich während meiner aktiven Zeit als Vermesser nur ein Grenzstein, um den ich mich aus den verschiedensten Gründen zu kümmern hatte. Eine veränderte Sichtweise ergab sich erst in meiner Zeit als Obmann.

Was reizt Sie an der Arbeit mit historischen Grenzmarken?

Ich bin gern mit Hund und Rad in der Natur unterwegs, bin geschichtlich interessiert und arbeite gern am PC. Diese Themenfelder lassen sich bei der Dokumentation von historischen Grenzsteinen wunderbar verknüpfen.

Würden Sie gern einmal in die Zeit reisen, aus der die Grenzmarken des Rezesses stammen?

Ich bewundere die handwerkliche Kunst mit einfachsten Mitteln in allen Bereichen der damaligen Zeit. Das wäre der interessante Teil der Reise. Ansonsten lebe ich schon gern im Hier und Jetzt.

Zur Person

Günter Kunold ist seit 2011 ehrenamtlicher Denkmalschützer. Als Vermessungsingenieur war er bis zu seinem Ruhestand in 2015 im Amt für Bodenmanagement Korbach, Außenstelle Hofgeismar tätig.

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Dr. Thomas Rossmanith
Telefon: +49 611 / 535 - 5399
Fax: +49 611 / 535 - 5309
E-Mail: thomas.rossmanith@hvbg.hessen.de

Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation
Schaperstraße 16
65195 Wiesbaden

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