Herr Treis – Ende letzten Jahres wurde das Flurbereinigungsverfahrens Morschen beendet. Sie waren viele Jahre Vorstandsvorsitzender der Teilnehmergemeinschaft, die die Grundstückseigentümer vertritt. Was hat Sie bewogen sich für die Flurbereinigung zu engagieren?
Treis (schmunzelnd): Eigentlich sind wir als Institution gestartet, die gegen das Verfahren war. Die Flurbereinigung wurde damals zum Bau der ICE-Neubaustrecke Hannover-Würzburg eingeleitet. Ich glaube, es gab anfangs fast 200 Widersprüche dagegen. Wir fühlten uns anfangs schlecht informiert, haben nicht verstanden warum das Verfahren (2500 ha, die Red.) so groß sein muss. Wir sahen auch keine Notwendigkeit die Ortslagen von Heina, Wichte, Binsförth und Neumorschen einzubeziehen. Wenn´s um Grund und Boden geht, entsteht schnell Unfrieden, den wollten wir nicht.
Was hat der anfängliche Widerstand bewirkt?
Treis: Nun ja, Klagen gab es auch noch, wir wollten es aber auch nicht auf die Spitze treiben.
Bewirkt haben wir auf jeden Fall, dass auf die Grundeigentümer keine Kosten zugekommen sind. Diesen Anteil hat die Gemeinde übernommen. Mit zunehmender Aufklärung über die Möglichkeiten des Verfahrens überwog schließlich auch das Interesse mitzugestalten. Bald sah ich mich sogar in der Rolle, Überzeugungsarbeit gegenüber den anderen Vorstandskollegen und Grundeigentümern zu leisten – da gab es immer wieder Reibereien und Vermittlungsbedarf.
Wie war die Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsbehörde? Hat sich Ihr Einsatz gelohnt?
Treis: Ja, der Einsatz hat sich gelohnt; ich habe den Vorsitz nie als Bürde empfunden und nachher sogar gerne gemacht. Bei der Planung des neuen Wege- und Gewässernetzes stand man neuen Ideen offen gegenüber, alles wurde ausführlich besprochen. Zur Behörde hat sich ein gutes Verhältnis entwickelt. Es liegt ja immer an Personen - und das hat gepasst.
Welche Erfolge hatte die Flurbereinigung? Welche Spuren hat sie hinterlassen?
Treis: Alles in allem: es war doch gut, dass wir´s gemacht haben. Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung wurde noch einmal auf viele Jahre der Flurbereinigung zurückgeblickt. Die Brücken- und Tunnelbauwerke der Bahn, die Baustraßen, das ganze Flächenmanagement, das zu leisten war. Elf Kilometer landwirtschaftliche Wege wurden mit schwerer Befestigung ausgebaut und neugebaut, dazu rund zehn Kilometer Wege in Schotter und auch Grünwege wurden geschaffen. Das Radwegenetz konnte komplettiert werden und für die Landschaftsgestaltung haben wir auch was getan. Wichtig waren auch immer die Planungen zur Wasserführung.
Und Bauherr, das waren immer wir, die Teilnehmergemeinschaft, nicht die Gemeinde. Dafür gab es rund 80 % Fördergelder, den Rest hat die Gemeinde übernommen. Auch Maßnahmen, die durch den Bahnbau verursacht waren, haben wir durchgeführt. Das wurde dann aber auch voll von der Bahn bezahlt.
Wie Sie sagen, gab es am Anfang große Widerstände gegen das Verfahren. Letztlich ist ja die Flurbereinigung ein großes Grundstückstauschverfahren mit dem zerschnittene und zerstreut liegende Grundstücke zusammengelegt werden sollen. Wie waren die Leute mit der neuen Grundstückseinteilung zufrieden? Sind sie im Guten auseinandergegangen?
Treis: Zuletzt standen dem Verfahren eigentlich fast alle positiv gegenüber. Wir sprechen hier von fast 800 Grundstückseigentümern. Das war schon eine Kunst, die alle unter einen Hut zu kriegen. Als Vorstand sind wir bei Grundstücksverhandlungen ja außen vor, aber die Flurbereinigungsbehörde hat das geschafft. Es allen Recht zu machen geht aber auch nicht, das liegt in der Natur der Sache.
Sie sprachen anfangs auch von Ortslagen. Was hatten die denn mit dem Bahnbau zu tun?
Die Einbeziehung der Ortslagen erfolgte zuerst nur wegen des schlechten Katasters. Jeder Feldweg hätte nach der Flurbereinigung neue Koordinaten gehabt, bei den Haus- und Hofgrundstücken wäre es aber bei den uralten Karten geblieben. Das wollte man nicht. Im Nachhinein hat sich das aber als Glücksfall rausgestellt.
In Neumorschen und Wichte brauchte man im Rahmen der Dorferneuerungen, die danach kamen, keine Rücksicht auf alte Grenzen nehmen, sondern konnte alles an die neuen Gegebenheiten und Planungen anpassen. Ebenso beim späteren Straßenbau in den Ortsdurchfahrten in Binsförth, Neumorschen und Wichte. Das hat die Flurbereinigung alles mitgeregelt.
Die Schlussfeststellung zum Verfahren war neulich in der Presse veröffentlicht. Der Vorstand löst sich auf. Wie haben sie ihre Arbeit offiziell beendet?
Der Schlusspunkt für uns wurde im Rahmen der bereits erwähnten Abschlussveranstaltung gesetzt, zu der alle zwölf Vorstandsmitglieder und Vertreter eingeladen waren. Dazu Vertreter der Gemeinde und Vertreter des Amtes für Bodenmanagement, die das Verfahren in den verschiedensten Abschnitten begleitet haben.
Nach einem Lichtbilder - Rückblick auf das Verfahren wurden unsere Verdienste auch noch einmal besonders gewürdigt. Der Amtsleiter - Herr Koch - händigte abschließend an die Vorstandsmitglieder Ehrenurkunden aus. Das hatte schon alles einen würdigen Rahmen.
Abschließende Frage:
Eine neue Regelung schreibt in Hessen vor, dass Teilnehmervorstände alle sieben Jahre neu gewählt werden müssen. Bisher war die Amtszeit unbegrenzt. Wie stehen Sie dazu?
Die Zeit in der Flurbereinigung war eine interessante Tätigkeit, aber junge Leute müssen nachrücken. Als praktischer Landwirt war der Aufwand für mich dafür auch gar nicht so groß.
Das ist gut angelegte Zeit. Und es lohnt sich. Die Neuregelung begrüße ich.
Herr Treis - Danke für das Gespräch.