7 Personen rund um einen Kartentisch

Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

HLBG übergibt wertvolle historische Karten an das Hessische Landesarchiv

Kartografische Zeitzeugnisse – teils über 400 Jahre alt – wechseln in die professionelle Obhut des Hessischen Landesarchivs und bleiben dort für Öffentlichkeit, Wissenschaft und Forschung dauerhaft zugänglich.

Im Rahmen eines Sichtungstermins am 1. Juli 2026 wurden jahrhundertealte historische Karten aus den Archivbeständen des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation (HLBG) begutachtet und ihre Übernahme in das Hessische Landesarchiv gemeinsam mit den zuständigen Fachexpertinnen und Fachexperten erörtert.

Hintergrund der Übergabe ist, dass das HLBG für die teilweise über 400 Jahre alten Kartenwerke keine konservatorisch optimale Lagerung gewährleisten kann. Das Hessische Landesarchiv verfügt hingegen über professionelle, klimatisierte Magazine, die ideale Bedingungen für den dauerhaften Erhalt des wertvollen Kulturguts bieten. Mit der Übernahme in die Bestände des Landesarchivs bleiben die Karten zugleich für die interessierte Öffentlichkeit sowie für Wissenschaft und Forschung zugänglich.

Zu den „historischen Schätzen", die im Rahmen des Sichtungstermins betrachtet wurden, zählen unter anderem die „Nassovia Comitatus“, die „Hassiae de Scriptio
Ioanna Dryandro“ (beide um 1600), die „S.R.I. Circulus Rhenanus Superior“ im Maßstab 1:460 000 (1730), die „Hassia Superioris Wetterau“ (1746), die „topographische Karte des Fürstentum Waldeck“ im Maßstab 1:20.000 (1850-1863), die „Niveau Karte vom Kurfürstenthum Hessen“ im Maßstab 1:25000 (1840-1861) sowie die „Karte von dem Grossherzogthume Hessen“ im Maßstab 1:50.000 (1823-1850).

Da mir die Kartografie schon immer sehr am Herzen lag, freue ich mich sehr, dass wir unsere ‚Schätzchen' heute in professionelle Hände übergeben können, damit sich auch nachfolgende Generationen noch daran erfreuen können.

Barbara Greiner Leiterin der Abteilung Geotopografie, Raumbezug
Wiesbaden

Den Anfang der modernen Landesvermessung in Hessen markiert die Landesaufnahme der Landgrafschaft Hessen-Kassel durch Oberst Johann Georg
Schleenstein (1705–1715, 20 Blätter, Maßstab 1:52.629). Im 19. Jahrhundert folgte die wissenschaftliche Triangulation: in Kurhessen durch den Gauß-Schüler Christian Ludwig Gerling (1822–1837), in Hessen-Darmstadt durch Johann Heinrich Haas und Christian Leonhard Philipp Eckhardt. Aus diesen Arbeiten ging die „Karte von dem Großherzogthume Hessen" im Maßstab 1:50.000 (1823–1850) hervor. Ab 1866 setzte die Preußische Landesaufnahme mit den Messtischblättern im Maßstab 1:25.000 den Standard, aus dem die heutige Topographische Karte 1:25.000 (TK 25) hervorging.

Heute führt das HLBG diese Tradition als digitales Geodatenmanagement fort: ALKIS (Liegenschaftskataster), ATKIS (Geotopografie) und AFIS (Raumbezug) bilden den amtlichen Geodatenbestand des Landes, der seit 2022 allen Nutzerinnen und Nutzern als weitgehend kostenfreie Geobasisdaten über das Portal „Geodaten online" bereitgestellt wird. Rechtsgrundlage hierfür ist das Hessische Vermessungs- und Geoinformationsgesetz (HVGG).

Schlagworte zum Thema